Die Umstellung auf Mehrweg in der Allianz-Arena: Keine Investition in Titel, sondern ein wichtiges Statement.

Als vor einem Jahr bei der Jahreshauptversammlung 2016 des FC Bayern Uli Hoeneß gerade gefühlt einstimmig wieder zum Präsidenten gewählt worden war, stellte ich mich ans Podium. Neben mir Vorstand und Präsidium, vor mir etwa 5.000 Vereinsmitglieder.

Zum Thema der „Werte des FC Bayern“ verlas ich einen Katalog an Wünschen, Forderungen und Vorschlägen, für den es überraschend viel Applaus von vorn gab. Rechts sah ich einige irritierte Gesichter. Irritiert von einem Mitglied, das weder Freibier noch rote Trikots noch rote Sitze forderte? Sondern sein satzungsgemäßes Recht wahrnahm, substanzielles zur Politik des Vereins (und damit der AG) zu sagen, der mehrheitlich den Mitgliedern gehört?

Uli Hoeneß reagierte dennoch freundlich und kündigte interne Beratungen zu meinen Wünschen an. Man würde sich melden. Er hielt Wort.

Heute steht fest, dass der FC Bayern in der Allianz-Arena auf ein umweltfreundliches Mehrwegsystem umstellt. Ob das etwas mit meiner Initiative zu tun hat, oder schon längst geplant war – um es nach Auszug der 60er umzusetzen – vollkommen egal. Die Tatsache als solche freut mich sehr und dafür bedanke ich mich bei allen Beteiligten von Vorstand, Verein und Stadiongesellschaft.

 

Die Umstellung auf Mehrweg kostet den Verein zunächst einmal Geld. Sie bringt dem FC Bayern weder Siege, noch Titel. Und dennoch macht der FC Bayern das. Weil die Vereinsführung eine soziale Verantwortung übernimmt für ihr Handeln. Das ist vorbildlich – und ein Statement. Dass der FC Bayern nicht alles dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnet. Sondern dass hier offenbar doch auch noch andere Werte zählen.

Ein wichtiger Schritt. Weitere sollten gegangen werden. Wie wärs, wo wir schon beim Umweltschutz sind, mit Ökostrom in der Allianz Arena, am Nachwuchsleistungszentrum und an der Säbener Straße? Was ist aus den Plänen geworden, an der Allianz Arena ein klimaschonendes Blockheizkraftwerk zu bauen? Für den FC Bayern als Partner der „bayerischen Klima-Allianz“ kann es hier nur heißen „weiter immer weiter“.

Dass es auch im jetzigen Winter nach Katar geht, ist selbst unter der Annahme, dass dort ein kritischer Dialog geführt und erfreulicherweise mit der Frauenfußballmannschaft ein Zeichen für die Gleichberechtigung gesetzt wird, weiterhin nur schwer zu akzeptieren.

Soweit zur Gegenwart.

Viele Mitglieder, denen der FC Bayern am Herzen liegt, beschäftigt die zukünftige Ausrichtung unseres Clubs.

Wie gelingt der Spagat zwischen der Verbundenheit zur heimischen Basis und der fortschreitenden Internationalisierung?

Wie weit soll der FC Bayern beim durchdrehenden Fußballkapitalismus mitmachen? Was soll dafür geopfert werden?

Bis hin zu scheinbar trivialen Fragen wie: Anastacia oder Blaskapelle? Kameras an Weizengläsern? Spontan oder gescriptet feiern?

Viele Mitglieder haben eine Meinung zur Zukunft des FC Bayern. Wäre es nicht wichtig, diese Meinung zu erfahren? Wäre es nicht gut, wenn mehr Mitglieder von ihrem Recht Gebrauch machen und sich bei den Jahreshauptversammlungen äußern würden?

Wann, wenn nicht dann, kann man als Bayern-Mitglied seine Meinung sagen – und Vorstand und Präsidium hören sich das an?

In den letzten 12 Monaten habe ich erfahren: Als Mitglied ist man mit konstruktiver Kritik durchaus willkommen.

Aufs Podium geht’s, Ihr Roten!